1974 - 1989

Rehabilitations-Angleichungsgesetz

Mit dem am 1. Oktober 1974 in Kraft getretenen „Gesetz über die Angleichung der Leistungen zur Rehabilitation“ („Reha-Angleichungsgesetz“), an dessen Gestaltung die Deutsche Vereinigung mit der Erarbeitung richtungsweisender Empfehlungen ebenfalls beteiligt war, wurden die gesetzlichen Krankenversicherungen formell in den Kreis der Rehabilitationsleistungsträger eingebunden. Der darin gesetzlich verankerte Wandel vom Kausalitätsprinzip hin zum Finalitätsprinzip, d. h. der Beurteilung des Zustands einer Behinderung unabhängig von der Ursache ihrer Entstehung, markierte eine entscheidende Zäsur in einer von Dynamik geprägten Phase sozial- und behindertenpolitischer Gesetzgebung.

Foto Physiotherapie: Kind auf der Rolle

Rehabilitationsmedizin ist die Integration aller Möglichkeiten der Diagnostik, der kurativen Medizin und der Prävention in eine gezielte ärztliche Hilfe zur Selbsthilfe für körperlich, geistig oder seelische Behinderte zum Zwecke ihrer optimalen Rehabilitation, d.h. ihrer bestmöglichen Eingliederung bzw. Wiedereingliederung in Familie, Arbeit, Beruf und Gesellschaft."

Foto Rollstuhlfahrerin an Schreibtisch

(Kurt-Alphons Jochheim, Josef Franz Scholz (Hrsg.), Rehabilitation. Bd. I: Gesetzliche Grundlagen, Methoden und Maßnahmen, Stuttgart: Georg Thieme, 1975, S. 56-57.)

Unter dem Vorsitzenden Prof. Kurt-Alphons Jochheim vollzog sich eine korporative Erweiterung der Basis der Deutschen Vereinigung. Sämtliche Sozialleistungsträger, nichtärztliche Rehabilitationsberufsgruppen wie Sozialarbeiter, Logopäden, Psychologen, Ergo-, Physio- und Psychotherapeuten sowie eine Vielzahl von Behindertenorganisationen traten der Deutschen Vereinigung bei. Dem voranschreitenden Emanzipationsprozess von Menschen mit Behinderungen trug man damit innerhalb der personellen Zusammensetzung des Verbandes Rechnung, da nun auch Vertreter der Behindertenverbände Aufnahme in den Vorstand fanden.

Die Deutsche Vereinigung fördert durch die Fach- und Sachkundigkeit ihrer Mitglieder in diesem abgesteckten Rahmen die theoretisch/wissenschaftliche sowie praktische Rehabilitationsarbeit und leistet damit ein Stück Öffentlichkeitsarbeit und Informationshilfe. So vielgestaltig wie die rehabilitativen Maßnahmen und die daran beteiligten Fachgebiete ist auch die Zusammensetzung ihrer Mitglieder.

(Deutsche Vereinigung für die Rehabilitation Behinderter: Nachrichten aus der Geschäftsstelle. Die Rehabilitation 1975; 14 (1): 55-62.)

Foto: Rollstuhlfahrersymbol

Die Außendarstellung der Deutschen Vereinigung war in den 70er Jahren eng mit der Persönlichkeit des Vorsitzenden Prof. Kurt-Alphons Jochheim verknüpft, der von 1972 bis 1976 auch das Amt des Präsidenten von Rehabilitation International bekleidete. Unter Jochheims Ägide unterstützte die Deutsche Vereinigung auch die bundesweite Zulassung des „Rollstuhlfahrersymbols“ als Verkehrszeichen, das 1969 von der ISRD als international gültiges Piktogramm anerkannt worden war, um für Menschen mit Behinderungen leicht zugängliche Gebäude und Verkehrseinrichtungen zu kennzeichnen.

  • Foto: Rollstuhlfahrer beim Basketball
  • Foto: Mitarbeiter in der Holzwerkstatt einer WfbM
  • Foto: Orthopädie-Schuhmacherin mit Handprothese bei der Arbeit

Nach oben


Seite drucken