Grußwort
des Geschäftsführers der
Fürst Donnersmarck-Stiftung zu Berlin
Wolfgang Schrödter
Konrad Biesalskis Bild vom Orchester der Krüppelfürsorge mit den Spezialisten der Rehabilitation im Ensemble und einem Kapellmeister, dem Rehabilitanden, in dessen Dienst alle Instrumente zusammenspielen, ist nun mehr als 100 Jahre alt und überzeugt mich heute noch. Für ein funktionierendes, harmonisches Spiel brauchen die Orchestermitglieder und ihr Dirigent einen Probenraum und eine Bühne für die Aufführung. Dort proben und besprechen, üben und verbessern, entwickeln und präsentieren sie ihr Zusammenspiel.
Einer der wenigen Orte in der deutschen Rehabilitationslandschaft, der sich sehr vielfältig und umfassend darstellt, ist die Deutsche Vereinigung für Rehabilitation (DVfR) mit ihrer besonderen Struktur. Sie bringt alle an einer erfolgreichen Rehabilitation Beteiligten zusammen. Sie dirigiert die vielstimmige Zahl der am Reha-Prozess Beteiligten. Hier kann Innovation Raum gewinnen und gleichzeitig von vielen Seiten beleuchtet werden, können Modelle in einer Gesamtschau betrachtet werden.
1916 erkannte Fürst von Donnersmarck, Stifter der Fürst Donnersmarck-Stiftung und seit Kriegsbeginn Betreiber eines privaten Lazaretts, “die Notwendigkeit von Wiedereingliederungsmaßnahmen“ für Kriegsversehrte und förderte nach der medizinischen Behandlung die Rückkehr ins Erwerbsleben. Er wollte kein Invalidenhaus, sondern eine Einrichtung „zur zeitweiligen, ambulatorischen Benutzung“. Mit anderen Worten: Moderne Rehabilitation war das Ziel, das ihn mit seinem Zeitgenossen Biesalski verband.
Folgt man dem Ökonomen Joseph Schumpeter, einem weiteren Zeitgenossen Biesalskis, bedeutet Innovation die Durchsetzung einer technischen oder organisatorischen Neuerung im Anwendungsprozess, nicht schon die Erfindung allein. Bei der Durchsetzung von Neuerungen ist es die DVfR, die so unterschiedliche Kompetenzen bündelt und für die Rehabilitation nutzt und zusichert, fördert und ausbaut. Ganz besonders bei der Begleitung der Umsetzung neuer Erkenntnisse in die Praxis. Denn dort, beim Rehabilitanden, sollen die Ergebnisse der Forschung, die Ideen der politischen Planung und der gesetzgeberischen Initiativen zielgenau ankommen.
Die DVfR zeigte sich über einhundert Jahre als belastbares und zuverlässiges Bindeglied zwischen den verschiedenen Sphären der Rehabilitation und diskutiert im vorparlamentarischen Raum die aktuellen Initiativen und Gesetzesnovellen.
Herzlich gratulieren wir der DVfR zum 100. Jubiläum verbunden mit dem Dank für die erfolgreiche Entwicklung der Rehabilitation in Deutschland und der Hoffnung auf weitere Erfolge im Sinne einer teilhabeorientierten, ganzheitlichen Rehabilitation in einer (inklusiven) Gesellschaft.
Wolfgang Schrödter
Geschäftsführer der
Fürst Donnersmarck-Stiftung zu Berlin


